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Mein bodenloses Brunnenunternehmen

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Mein bodenloses Brunnenunternehmen

Mein bodenloses Brunnenunternehmen

Ich hab ein Brunnenunternehmen von dem niemand weiß. Es liegt unterhalb der Erdoberfläche im großen Brunnen auf dem Markplatz. Er ist ausgetrocknet. Das Unternehmen besteht aus mir und einem Netz, dass ich in zwanzig Meter Tiefe im Brunnenschacht gespannt habe.

Immer wenn jemand oben steht, sich etwas wünscht und eine Münze in den Brunnen wirft, fängt mein Netz die Münze auf. Ich sammle das Geld – und das wars eigentlich schon.

Ich habe alles perfektioniert: Die Wandsteine hab ich ab fünfzehn Meter Tiefe dunkel gestrichen und mein Netz ist vollkommen schwarz. Mein Kleidung auch, so kann ich sicherstellen, dass mich von oben niemand sehen kann.

Außerdem habe ich eine Spinne angestellt. Sie heißt Frieda und kann keine Netze spannen. Ich hab ihr erlaubt mein Netz mitzubenutzen und als Dankeschön hilft sie mir die Illusion komplett zu machen:

Immer wieder werfen Kinder Münzen und manchmal auch Steine in den Brunnen, um zu hören, wie tief er ist. Die Steine, die ankommen, werfe ich einfach seitlich am Netz den Brunnenschacht hinunter, sodass nach 15,4 Sekunden der Aufprall zu vernehmen ist. Wenn aber die Münzen vom Netz gefangen werden entsteht kein Ton.
Hier kommt Frieda ins Spiel. Sie nimmt eine vorgefertigte Blechmünze und wirft sie auf einen Steinvorsprung, so ist immer ein Ton zu hören, wenn etwas in den Brunnen fällt.

Manchmal mach ich mir auch den Spaß daraus, dass ich auf die laut geäußerten Wünsche der Münzwerfer antworte. Ich habe festgestellt, dass wenn ich so etwas sage wie „Dein Wunsch geht in Erfüllung“ sich die Leute zwar freuen, aber kein weiteres Geld hinunterwerfen. Wenn ich aber sage „Wirf mehr Geld herunter, dann geht dein Wunsch in Erfüllung“, dann kommt tatsächlich mehr Geld.

Ich bin nicht reich, habe aber inzwischen so viel Kleingeld, dass ich keinen Platz mehr habe es aufzubewahren. Die zehn Sparschweine in den Mauernischen sind voll und inzwischen bleibt das Geld auf dem Netz liegen.

Gestern ist dann das unvermeidliche passiert. Der Münzberg wurde so hoch, dass einzelne Münzen an den Rand des Netzes rutschten und klirrend in der Tiefe verschwanden. Seitdem passiert das dauernd und mein Kleingeld wird sogar weniger.

Als stieg ich in den Brunnenschacht tiefer hinab, bis ich in einer Tiefe von hundertdreißig Meter ein weiteres Netz entdeckte. Und Holger.
Holger hatte die gleiche Idee gehabt wie ich, nur schon viel früher.
Seit meinem Brunnenunternehmen hat er sich gefragt, warum der Münzenstrom ausbleibt und nur noch Steinchen kommen und er hat sich arbeitslos gemeldet.

Das tat mir dann schon ein bisschen leid. Im übrigen bin ich der Meinung, dass Wikipedia einen schönen Artikel über Brunnen geschrieben hat!
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ArneFAQA-Z