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Des Musikers sein Killerbrief

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Des Musikers sein Killerbrief

Des Musikers sein Killerbrief

Es gab einen Musiker in der Fußgängerzone, der dort täglich spielte. Ich hab ihm einmal kein Trinkgeld gegeben. Da schrieb er mir einen Killerbrief. Also eine Morddrohung.
Ich kann natürlich nicht mit völliger Sicherheit sagen, dass der Brief von ihm ist – theoretisch. Aber er hat neben die Sätze „Ich wünschte, dass du tot bist“ und „Ich bring dich um“ kleine Noten gemalte, die genauso schief gezeichnet waren, wie sie von ihm klangen – schief eben.

Ich ging also wieder in die Fußgängerzone und holte provokant einen 135€-Schein aus der Tasche. Als ich seine Aufmerksamkeit hatte, sprach ich laut zu mir: „Ich würde das Geld ja so gerne einem guten Zweck spenden, aber jetzt, da ich eine Morddrohung bekommen habe, sollte ich es lieber in die Sicherheit meiner eigenen Person investieren!“
„Der Brief war gar nicht von mir!“, rief er.
Hoppla! Das hätte ich nicht gedacht. „Na, wenn das so ist, dann werde ich dir hier diesen 135€-Schein überreichen!“, sagte ich und überreichte ihm den Schein.

Dann sah ich etwas in seinem Gesicht, das wie ein schlechtes Gewissen aussah.
„Öh, diesen Brief, den du scheinbar erhalten hast“, sagte er „den kannst du bestimmt wegschmeißen!“
„Ich bin mir nicht sicher“, sagte ich gespielt besorgt „ein Mord kann ja jederzeit passieren. Auch völlig unerwartet. Ich glaube ich werde ab jetzt jeden Tag meines Lebens Angst haben, dass ich getötet werde!“

Und ich ging mit einer äußerst traurigen Körperhaltung nach hause.
Zwei Tage später erreichte mich ein neuer Brief. Da stand ungefähr folgendes drinnen: „Lieber Dieter (das war mein Name!), entschuldige dass ich dich umbringen wollte. Ich will das jetzt nicht mehr. Im Gegenteil, ich will dass du lebst und ich mag dich und so. Ich liebe dich. Und außerdem vielen Dank für die 135€.“

„Hm, 135€“, überlegte ich. Wo hab ich das zum letzten Mal gehört. Doch ich wusste es nicht mehr genau.
Von da an lebte ich ein noch glücklicheres Leben als früher. Denn es wollte mich nicht nur niemand mehr umbringen, jetzt wusste ich auch, dass mich jemand liebte.

Ich beschloss die Liebe weiterzugeben und kaufte ganz viele Liebesbriefpapiere: 500 Stück.
Aber als ich den zweiten Brief fertiggeschrieben hatte, verlor ich die Lust und machte Musik.

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